Sofa von 1874 mit Heftung
Der Bezugstoff war dreckig, verschlissen und schlug Falten auf dem Sitz. Das Sitzgefühl war sehr weich und man federte weit nach unten ein.
Die Gurte auf der Unterseite, die den gesamten Sitzaufbau tragen, waren ausgeleiert und teilweise morsch.
Das Federleinen, mit dem die Federn zur Façon (Sitzaufbau mit Palmfasern gepolstert) abgedeckt werden, war gerissen.
Die vorhandenen Schnürfäden, mit denen die Federn zusammengehalten wurden, waren teilweise gerissen, die Federn selbst waren angerostet und die Federkraft hatte im Lauf der Jahre nachgelassen.

Beim Abpolstern des Sofas kam die Datierung, geschrieben mit Bleistift auf einer Holzzarge der Rückenlehne, zum Vorschein.
Zielstellung:
Die Kundin wollte das Sofa auch weiterhin täglich als Sitzmöbel nutzen, deswegen haben wir uns für folgende Maßnahmen entschieden, bei denen wir stark darauf geachtet haben, die vorgefundenen, klassischen Handwerkstechniken zur Wiederherstellung anzuwenden.
Neuer Sitzaufbau mit Jutegurten, aufgenähten Sprungfedern und Schnürung. Die geschnürten Federn wurden mit Federleinen abgedeckt und die Federn mit dem Leinen vernäht, damit der weitere Sitzaufbau eine Verbindung zu den Federn behält. Die vorhandene Façon (Sitzpolster aus loser Palmfaser) haben wir vom verschlissenen Façonleinen befreit und wiederverwendet. Kuhlen und die meist stark beanspruchte vordere Kante, haben wir mit neuer Palmfaser ergänzt. Die Façon wurde mit Façonleinen abgedeckt und mit großen Stichen durchgenäht. Die Kanten wurden geformt und mit Leiterstich und Vorderstich garniert.
Als Pikierung (weiche Schicht über der Façon) wurde das vorhandene Rosshaar genommen und mit neuem Rosshaar aufgefüllt, damit eine gleichmäßige Schicht entsteht. Der Sitzaufbau erhielt einen Bezug aus Nessel, erst dann wurde er mit dem Bezugstoff (Velourstoff) bezogen.
Der vorhandene Nesselbezug wurde von der Rückenlehne entfernt, die Rosshaarpolsterung darunter mit neuem Rosshaar ergänzt und die Rosshaarpolsterung mit Polsterwatte abgedeckt. Die Fäden für die Knopfheftung wurden von der Rückseite der Lehne nach vorne durchgezogen und die Knopfheftung mit dem neuen Bezugstoff ausgearbeitet. Die vorhandene Polsterung der Armlehnen wurde wiederverwendet und mit neuem Material aufgefüllt. Sie erhielten ebenfalls eine Abdeckung aus Polsterwatte und wurden mit dem Velourstoff bezogen. Die Rückseite und die Außenseiten des Sofas (Spannteile) wurden mit der vorhandenen Pappe geschlossen und ebenfalls mit dem Velourstoff bezogen.

Das gesamte Sofa erhielt Ziernägel als Abschluss zum Sichtholz.
Nachzustand